#01: Die erste Ausgabe vom TROPS-Newsletter! 🚀

Mit Black Lives Matter bei der Formel 1, der höchsten Welle der Welt, einem Ironman und sexuellem Missbrauch im Boxsport

Liebe*r Abonnent*in von TROPS,

das hier ist die Premiere: Heute geht zum ersten Mal der Newsletter raus – mit Geschichten aus dem Sport für alle, die sich nicht für Sport interessieren. Nur kurz: Ich freue mich total, dass sich so schnell so viele Menschen für TROPS angemeldet haben. Jetzt bin ich ein bisschen aufgeregt und hoffe, dass dir der Newsletter gefällt. 🤞 Über Feedback bin ich übrigens sehr dankbar, dazu weiter unten mehr.

Das erwartet dich ab jetzt alle zwei Wochen: Ich möchte dir wichtige und spannende Geschichten aus dem Sport schicken, die über den Wettkampf selbst hinaus gehen und relevant für dich sein könnten. Das sind immer drei bis fünf, die meisten davon aktuell – und ab und zu gibt es auch einen Klassiker. Ich werde diese Geschichten kurz einordnen und immer wieder versuchen, dazu noch Leute zu Wort kommen zu lassen, die zu dieser Idee passen. Außerdem findet ihr unten einen TROPS-Tipp und das Video der Ausgabe!

Also, was könnte für dich spannend sein?


1. Lewis Hamilton nutzt seinen Erfolg, um sich für Menschenrechte einzusetzen 🏎 

Es ist wahrscheinlich etwas mutig, hier mit Formel 1 anzufangen. Aber Diskussionen, ob es überhaupt ein Sport ist, mit extrem hochgetunten Autos im Kreis rumzufahren, verschieben wir mal kurz.

Stattdessen sollten wir auf Lewis Hamilton gucken, der am Wochenende mal wieder Weltmeister geworden ist. Denn Hamilton ist jemand, der sich in diesem Jahr wie kaum ein*e andere*r Sportler*in für Menschenrechte und insbesondere für Black Lives Matter eingesetzt hat:

  • Hamilton ist der einzige Schwarze Fahrer in der Formel 1. Im Juni unterstützte er die Black-Lives-Matter-Bewegung auf Instagram und lief in London auch bei einer Demo mit. Etwas später initiierte der 35-Jährige einen Protest der Fahrer: Vor dem Rennen in Österreich knieten sie sich (mit einigen Ausnahmen) hin, auf Hamiltons Shirt stand „Black Lives Matter“. Vor einem anderen Rennen trug er ein Shirt mit der Aufschrift „Arrest the cops that killed Breonna Taylor”. Außerdem ließ Hamilton sein silbernes Auto schwarz färben.

  • Hamilton selbst sagt, dass er seine Berühmtheit und die Formel 1 als Plattform weiter nutzen möchte.

„Realising I had this platform, this opportunity to continue to raise awareness, to try and unite people and educate myself and other people that is where it came from.”

  • Das Gute: Es kann funktionieren. Denn Hamilton fordert die Formel 1 und damit auch die anderen Fahrer und Fans heraus, sich seinem Engagement gegen Rassismus anzuschließen. Sein Team unterstützt ihn bereits. Außerdem hat Hamilton eine Initiative gestartet, um mehr People of Color für Fächer wie Wissenschaft, Technologie und Ingenieurwesen – und so auch für den Rennsport – zu begeistern. Und auch dadurch, dass Hamilton seine über 20 Millionen Abonnent*innen auch auf Instagram ständig auf Rassismus aufmerksam macht, verändert er etwas.

  • Übrigens: Für Hamilton ist es der siebte Weltmeistertitel. So viele konnte vor ihm nur Michael Schumacher gewinnen.

    ➡️ Wer weiterlesen möchte: Einen interessanten Text dazu, warum Hamiltons Engagement in der Formel 1 so besonders ist, gibt es von Richard Williams im Guardian.


2. Maya Gabeira wäre 2013 beim Surfen fast gestorben. In diesem Jahr hat sie einen Weltrekord aufgestellt 🏄‍♀️

Weil du in diesem Jahr wahrscheinlich nur wenige Surfer*innen auf Wellen oder generell wenig Wellen gesehen hast, ist vielleicht die Geschichte von Maya Gabeira etwas für dich. Gabeira ist Surferin und hat in dieser Saison die größte Welle geritten: 22,40 Meter war die hoch. Dabei wäre sie 2013 beim Surfen fast gestorben.

Und irgendwie ist Gabeiras Geschichte eine, die auf irre Weise zeigt, wie hart einige Sportler*innen nach Rückschlägen immer wieder arbeiten, um auf ihr vorheriges Niveau zurückzukommen – und wie das immer wieder gelingen kann. Nur ganz kurz ein paar Infos:

  • Am 11. Februar 2020 hat die Brasilianerin Gabeira vor der Küste Portugals diese Welle geritten. Es war die höchste Welle, die jemals von einer Frau bezwungen wurde. Weltrekord! In dieser Saison war auch kein Mann besser. 🌊

  • Festgestellt wurde der Rekord aber erst im September – bei den Big Wave Awards, der wichtigsten Auszeichnung für alle Surfer*innen, die es mit riesigen Wellen aufnehmen. Wissenschaftler*innen berechneten mit Foto- und Videomaterial, wie groß die Welle wohl gewesen ist.

  • Dabei ist es eigentlich ein Wunder, dass Gabeira noch surfen kann. 2013 hatte sie beim Surfen einen Unfall und wurde von einer Welle begraben. „Ich dachte nur: Das ist es, ich sterbe“, sagte sie der BBC. Sie wurde gerettet, konnte wiederbelebt werden. Drei Operationen später konnte sie wieder aufs Surfbrett.

    ➡️ Zum Weiterlesen: Die Journalistin Anna Dreher von der SZ erklärt in diesem Text, was für ein Zeichen Gabeiras Rekord in dem männerdominierten Sport ist. Außerdem hat Dreher mit ihr dieses tolle Interview (€) geführt. Nur ein Zitat:

    „Das Surfen gibt mir in vielerlei Hinsicht ein Gefühl von Macht: Sich in dieser Umgebung als Frau zu behaupten. Die Energie des Ozeans zu spüren, wenn er wild und intensiv ist. Die Entscheidung zu treffen, wie ich eine Welle nehme. Sogar die Stürze und, wie in meinem Fall, so ein Erlebnis zu überleben.“

  • Und klar: Hier ist das Video zu Gabeiras Weltrekord. Es ist einfach nur krass.


3. Chris Nikic hat einen Ironman gemeistert – als erster Mensch mit Trisomie 21

Vom einen Weltrekord kommen wir zum nächsten. Und zwar geht es nach Florida zum Triathlon. 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,25 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen: Das ist die Langdistanz bei Triathlon-Wettbewerben, auch Ironman genannt. 🏊 🚴 🏃

Und seit letzter Woche ist auch Chris Nikic einer, der das gemeistert hat. Das Besondere: Der 21-Jährige ist mit der Chromosomenstörung ­Trisomie 21 auf die Welt gekommen – er hat das Down-­Syndrom. Er ist der erste Sportler mit Trisomie 21, der einen Ironman gefinisht hat.

  • Fast 17 Stunden dauerte der Wettkampf für Nikic. Für ihn ist Triathlon wegen der Trisomie 21 eine noch größere Herausforderung als sowieso schon: Zum Beispiel ist es wegen der Gleichgewichtsprobleme schwierig, die Balance auf dem Fahrrad zu halten.

  • Nikic startete vor drei Jahren zum ersten Mal bei einem (kürzeren) Triathlon – und das, obwohl ihm Ärzte vorhergesagt hatten, dass er wohl nie schwimmen könnte.

  • Neben dem Triathlon ist Nikic auch als Motivationsredner unterwegs.

„Es ist meine Gabe, dass ich anderen ein Vorbild sein und beweisen kann, dass ein Mensch mit Down-Syndrom in der Lage ist, die Herausforderung zu meistern.“ (So wird Nikic auf tri-mag.de zitiert)

  • ➡️ Einen sehr ausführlichen Text zu Nikic’ Ironman, seinem Leben und seinen weiteren Zielen gibt es hier beim Magazin „Triathlon“ von Marvin Weber. Und ein kurzes Video von Nikic’ Wettkampf seht ihr:


4. Boxtrainer sollen Nachwuchsathletinnen in Baden-Württemberg sexuell missbraucht haben

Es ist eine Geschichte, die einen unglaublich wütend macht. Und zugleich ist es so wichtig, dass zu solchen Vorfällen recherchiert und berichtet wird und Menschen davon erfahren und dagegen etwas unternehmen: In Baden-Württemberg sollen mehrere Boxtrainer Nachwuchsathletinnen sexuell belästigt haben. Das hat der SPIEGEL in der vergangenen Woche veröffentlicht. Der Artikel zeigt, wie gefährdet Kinder und Jugendliche im Sport sein können und warum bisherige Schutzkonzepte nicht ausreichen.

  • Die Vorwürfe reichen von sexistischen Sprüchen in der Trainingshalle bis zu Vergewaltigung.

  • Weil die sportliche Karriere teils von den Trainern abhängt, die selbst übergriffig werden, trauen sich viele Athletinnen nicht, darüber zu reden.

  • In Baden-Württemberg haben sich dennoch einige Sportlerinnen getraut. Aber als sich die Sportlerinnen bei der Missbrauchsbeauftragten des Verbandes beschwert haben, bekamen sie plötzlich Drohanrufe. Es kommt heraus, dass diese Vertrauensperson eng mit einem der beschuldigten Trainer befreundet ist.

  • Unterstützung vom Boxverband bekamen die Sportlerinnen bislang nicht. Nun ermitteln die Behörden.

„Jetzt werde ich als Lügnerin und Verleumderin hingestellt. Da kann ich jede Frau verstehen, die lieber den Mund hält und mit dem Boxen aufhört“, sagt eine der Athletinnen.

➡️ Zum ganzen Artikel (€) von Markus Sutera und Michael Fröhlingsdorf geht es hier.


Mit Markus Sutera vom SPIEGEL habe ich für TROPS kurz geredet. Er recherchiert immer wieder zu Fällen sexueller Gewalt im Sport.👇

Markus, warum ist der Sport so anfällig für sexuellen Missbrauch?

Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Im Sport kommt es etwa zwangsläufig zu körperlicher Nähe zwischen Sportlern und Trainern, beispielsweise bei Hilfestellungen sind Berührungen ganz normal. Aber auch unter den Sportlern selbst: Es wird zusammen gejubelt, geschwitzt, geduscht. Außerdem begünstigen Hierarchien und Leistungsdruck Missbrauch. Kinder und Jugendliche sind im Sport gewissermaßen abhängig von Erwachsenen. Die Sportler sind oft emotional mit dem Sportumfeld verbunden, sie haben oft schon Jahre in ihr sportliches Ziel investiert.

Dieses Abhängigkeitsverhältnis ist im Leistungssport größer, im Breitensport hingegen sind die Hürden für potenzielle Täter geringer. Ehrenamtliche Trainer werden gerade in kleineren Vereinen gesucht und finden leichter Zugang. Wichtig ist auch, dass Missbrauch über alle Sportarten hinweg vorkommt. Es wird zwar angenommen, dass er in Individualsportarten häufiger zu Missbrauch kommt, belastbare Zahlen gibt es aber noch nicht.

Du recherchierst schon länger zu diesem Thema. Inwieweit ändert sich gerade das Bewusstsein bei den Verbänden und Vereinen?

Immer mehr Vereine setzen das Kinderwohl auf ihre Agenda, das ist lobenswert. Schaut man genauer hin, geschieht dies aber oft durch den Zwang von außen. Und zwar dann, wenn die Förderungen an Schutzkonzepte gebunden werden. Das ist zwar eine gute Maßnahme, ein wirkliches Bewusstsein entsteht aber nur, wenn die Verbände und Vereine signalisieren, dass sie es ernst meinen. Dazu gehört auch die Aufarbeitung vergangener Fälle. Dass das Thema in den Medien so präsent ist, lässt sich auch damit erklären, dass mehr Betroffene bereit sind, ihre Erlebnisse zu offenbaren. Das ist eine positive Tendenz.

Welche Maßnahmen könnten eventuell helfen, damit solche Fälle nicht mehr vorkommen?

Das können Schutzkonzepte sein wie Ansprechpersonen im Verein, Schulungen der Trainer sowie das Verlangen eines Führungszeugnisses oder das Unterschreiben des Ehrenkodex. Aber auch die Rolle der Eltern ist extrem wichtig. Es geht nicht darum, Trainer unter Generalverdacht zu stellen, aber die Eltern müssen nachfragen bei den Vereinen und beim Kind selbst; hellhörig werden, wenn es um Einzeltrainings oder Camps mit Übernachtungen geht.

Und: Mir persönlich fehlt auch ein klares Statement von prominenten Sportlern, die sich gegen sexualisierte Gewalt aussprechen und gerade so als Vorbilder Betroffene ermutigen.

Vielen Dank an Markus Sutera für die Einschätzungen! Ihr könnt ihm übrigens hier auf Twitter folgen.


Der TROPS-Tipp 💁

A post shared by Hannover 96 (@hannover96)

Elf Jahre ist es her, dass sich der Fußballtorwart Robert Enke im November nach schweren Depressionen das Leben genommen hat. Enke spielte damals bei Hannover 96 und war auch Torhüter in der Nationalmannschaft. Und durch die Umstände seines Todes ist er wohl noch heute allen bekannt.

Der Journalist Moritz Cassalette hat im vergangenen Jahr eine große Podcast-Serie für den NDR gemacht. Er spricht mit Enkes Frau Theresa, mit ehemaligen Mitspielern wie Per Mertesacker und anderen Sportlern, die an Depressionen leiden. In zehn Folgen versucht Cassalette auch, herauszufinden, wie sich der Umgang mit Depressionen im Sport und in der Gesellschaft geändert hat. Es ist wirklich ein sehr hörenswerter Podcast, der auch für alle interessiert sein könnte, die nicht wie ich große Fans von Hannover 96 und Robert Enke sind. Denn man lernt, unter welchem Druck die Sportler*innen teilweise stehen und wie sie Schwächen unterdrücken müssen.

➡️ Hier geht es zum Podcast – bei Spotify oder ähnlichen Plattformen habe ich ihn leider nicht gefunden.


Ein Video noch zum Abschluss 🏌️ 

Ich interessiere mich überhaupt nicht für Golf. Und dir geht es wahrscheinlich so ähnlich. Aber bitte guck’ dir trotzdem dieses Video an. Denn was der Golfball hier macht, das ändert die Vorstellungen von Raum, Zeit und vielleicht auch von der ganzen Welt. ⛳️


So, das war die erste Ausgabe von TROPS. Ich freue mich sehr, dass du den Newsletter gelesen hast und bin gespannt auf dein Feedback. Antworte mir gerne auf diese E-Mail oder schreib’ an mail@laurenzschreiner.de.

Was natürlich auch super wäre: Wenn du mir Fragen schicken könntest, die du dir mit Bezug auf den Sport stellst – oder mir Artikel oder Videos schickst, die du gefunden hast und die ich unbedingt bei TROPS teilen sollte. ✌️

Eine schöne Woche und viele Grüße
Laurenz

P.S. Wenn du den Newsletter liest, obwohl du ihn noch nicht abonniert hast, kannst du hier subscriben. 🥳

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